20 Minuten bis zur fertigen Website

Ich habe Claude Cowork eine bestehende Website vorgesetzt und gesagt – bau das neu. Ein Prompt, in dem ich beschrieben habe, wer wir sind, wofür wir stehen und wie das Ergebnis wirken soll (modern, ruhig, vertrauenswürdig, Layout adaptiert aber nicht völlig neu). Den Rest hat die KI selbst erledigt: die alte Seite analysiert, Inhalte, Kurzbiografien, Kontaktdaten und Projekte übernommen, öffentlich Auffindbares dazu recherchiert und daraus eine vollständige, responsive Website gebaut – inklusive Bereich „Folgen & Vernetzen“ mit allen Social-Media-Präsenzen. Am Ende lag alles fertig in einem Ordner auf meinem Rechner, von dort per FTP online.

Dauer: keine 20 Minuten. Mein ehrlicher erster Eindruck: Der KI-Klon war besser als das Original. (Zwei Testlinks unten – einmal Claude, einmal zum Vergleich ChatGPT.)

Was das für Bildung und kleine Einrichtungen heißt

Hier liegt der eigentliche Punkt. Viele kleine EB-Einrichtungen, Initiativen und Projekte leben mit Websites, die seit Jahren veraltet sind – weil Zeit, Geld und Know-how fehlen. Genau diese Hürde fällt gerade. Eine professionell wirkende Online-Präsenz ist keine Frage von Wochen und vierstelligen Beträgen mehr, sondern von einem Nachmittag. Das verschiebt etwas: Auch die kleinste Einrichtung kann nach außen so auftreten wie eine gut ausgestattete Institution.

Zwei Einschränkungen, die ich gleich mitliefere, weil sie wichtig sind. Erstens: Die KI hat bei mir ein Detail schlicht falsch übernommen (einen veralteten Namen). Ohne menschliche Endkontrolle geht es nicht – Richtigkeit und Aktualität bleiben unsere Aufgabe. Zweitens, die unangenehme Kehrseite: Wenn sich eine seriöse Seite in Minuten klonen lässt, lassen sich genauso schnell täuschend echte Fake-Seiten bauen.

Und für Webdesigner:innen?

Das klassische Geschäft mit der reinen „Broschüren-Website“ – ein paar Seiten, Kontaktformular, fertig – gerät unter Druck. Wer Wert schafft, schafft ihn künftig woanders: in Strategie und Konzept, in Marke und Inhalt, in durchdachter UX, in komplexen Anbindungen, in Pflege, Verlässlichkeit und Vertrauen. Die KI macht aus vielen Menschen Gestalter:innen – die spannende Arbeit beginnt aber genau dort, wo Geschmack, Urteilsvermögen und Verantwortung gefragt sind.

Mein Fazit: faszinierend, ein bisschen unheimlich, und vor allem ein Werkzeug, das gerade für kleine NPO-Strukturen mehr Möglichkeiten als Bedrohung bedeutet.


Selbst ausprobiert:

Originale Projektwebsite: https://milenu.at/projekt-real-time-ai/

Originale Unternehmenswebsite: https://milenu.at/

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